Museum local Vaz/Obervaz

Graubünden, Schweiz

Das alte Pfarrhaus mit Pfrundstall in Vaz/Obervaz-Zorten beherbergt heute das Ortsmuseum. Im ehemaligen Kapuzinerhospiz wird die Geschichte der weitläufigen Gemeinde Vaz/Obervaz anhand von rund 5000 Objekten dokumentiert. Einen Schwerpunkt bildet die Entwicklung des Tourismus: Aus den  Maiensässen auf der Heide entstanden die Kurorte Lenzerheide und Valbella, während die Stammfraktionen Lain, Muldain und Zorten landwirtschaftlich geprägt blieben. Im Museum wird aufgezeigt, wie die Bauern und ihre Familien einst Haus und Hof bewirtschafteten, wie sie kulturelle Werte in Kirche und Brauchtum lebten, wie Hotels und Sportangebote entstanden. 

Ganze historische Werkstätten sind im Ortsmuseum eingerichtet: eine Schmiede, eine Wagnerei, auch die alte Dorfmühle aus Zorten ist im Pfrundstall wieder aufgebaut. Sie funktioniert heute noch. Von fast vergessenem Handwerk erzählen die Moser-Glocken, Werkzeuge des Schuhmachers, des Korbers, des Tretschenmachers. Arbeitsgeräte aus alten Zeiten lassen erahnen, wie hart unsere Vorfahren auf Feld und Acker, in Fluss und Wald ihr Brot verdienen mussten. Eine vollständig eingerichtete Maiensässküche und die Webstube, in der heute noch von Hand gewoben wird, wecken Erinnerungen.  Wechselausstellungen widmen sich besonderen Themen.

Lichtdurchflutet präsentiert sich die „Sala Parpan“ zwischen Hospiz und Stall. Die Galerie beherbergt Skulpturen des Bildhauers Ferdinand Parpan (1902-2004), dessen Vorfahren aus Obervaz-Lain nach Italien und später nach Frankreich auswanderten. Der Künstler, der zeitlebens in Paris arbeitete und Träger des Grand prix Européen de la Sculpture war, hat seiner „alten Heimat“ über 100 Werke geschenkt: Musiker, Akte, Tierplastiken, sakrale Werke wie auch Zeichnungen. Die Skulpturen des Obervazer Ehrenbürgers aus Bronze, Marmor, Holz, Alabaster, Stein und Gips werden regelmässig in Dialog gesetzt mit zeitgenössischem Kulturschaffen aus der Region.

Obervazer Schwabengänger

Die Ausstellung mit illustrierten Tafeln zu Obervazer Schwabengängern enthält zahlreiche Namen von einheimischen Kindern, Frauen und Männern, die auf oft noch verschneiten Wegen die beschwerliche Reise von Obervaz über die Lenzerheide - rund 160 Kilometer - ins süddeutsche Schwabenland bewältigen mussten. Die Namen stammen aus alten Passkontrollen Graubündens, aus Dienstbotenverzeichnissen in Oberschwaben wie auch von Dokumenten aus dem Gemeindearchiv. Bei den Recherchen zur Ausstellung über Obervazer Schwabengänger sind aber auch neue Namen aufgetaucht. So können sich einzelne Senioren erinnern, dass ihre Grosseltern noch selbst als Schwabenkinder unterwegs waren oder als Führer von Obervazer Schwabenkindern wirkten. Eine Besonderheit der Ausstellung ist die Präsentation des „Schwabengängerliedes“ aus der Region, einziges überliefertes auditives Zeugnis aus der Zeit der Schwabenkinder.